Wie du die Kontrolle über dein Essverhalten wieder gewinnst

Um die Kontrolle über dein Essverhalten wieder zu gewinnen, ist es wichtig, dass du zunächst weißt, wie Binge-Eating entsteht und warum es so schwer fällt, dich aus der Störung zu befreien.

Binge Eating entsteht unter Anderem durch den Wunsch abzunehmen. Dabei fangen wir eine Diät an, die möglichst schnelle Erfolge erzielen soll. Das ist meistens mit einem sehr starken Kaloriendefizit verbunden. Unser Gehirn und Körper reagiert unmittelbar auf diese Restriktion und schaltet um auf Überlebensmodus. Unser Gehirn signalisiert uns, so viel Nahrung wie möglich aufzunehmen, um überleben zu können. Dabei greifen wir dann auch zu Nahrungsmitteln die sehr kaloriendicht sind, also beispielsweise viel Zucker und Fett enthalten.

Binge Eating ist also eine adaptive Reaktion des Gehirns bei Kalorienrestriktion, um dein Überleben sicherzustellen. Das zeigt dir nur, dass dein Gehirn absolut gesund ist und dich vor dem Verhungern bewahren möchte.

Als ich vor etwa 5 Jahren meine erste Diät gemacht habe, musste ich die ganze Zeit an Essen denken und der Verzicht ist mir nicht leicht gefallen. Nach ein paar Tagen hielt ich nicht mehr durch und ein Essanfall war die Folge. Ich war frustriert, hielt mich für schwach und fing eine weitere Diät an. Ein Essanfall folgte. Diät nach Diät, Essanfall nach Essanfall, so vergingen Wochen und irgendwann auch Monate. Und anstatt abzunehmen, nahm ich immer mehr zu. Ich war sehr verzweifelt, traurig und frustriert. Ich konnte einfach nicht verstehen, wieso das Verlangen nach Essen so stark war und wieso ich mich trotz Übelkeit, Bauchschmerzen und weiteren Beschwerden immer und immer wieder mit Essen vollstopfte, obwohl ich es doch gar nicht wollte?

In psychotherapeutischer Behandlung wurde mir gesagt, das die Ursache der Essanfälle emotionaler Grundlage sind und ich negative Gefühle mit Essen verarbeiten würde. Ich bin überzeugt, dass viele anstatt ihre Probleme zu lösen zu Essen greifen und dass es durchaus sinnvoll ist, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Doch innerhalb der Jahre habe ich festgestellt, das die negativen Gefühle, die ich empfunden habe, gerade durch die Essanfälle hervorgerufen wurden. Ich empfand Scham, Schuld, Einsamkeit und fühlte mich depressiv . Der therapeutische Ansatz half mir leider nicht weiter, denn die Essanfälle blieben und kamen auch in Situationen in denen es mir sehr gut ging und ich glücklich war.

Heute weiß ich, dass nicht ich, mangelnde Disziplin oder Emotionen das Problem ist.

Dazu möchte ich euch den Therapieansatz von Kathryn Hansen, der Autorin von Brain Over Binge, näherbringen, der mir persönlich eine große Hilfe war.
Ihrer Meinung nach liegt die Ursache von Heißhungerattacken im Verlangen nach Essen, also im Heißhunger selbst.
Denn wenn der Heißhunger da ist, reagieren wir meist, in dem wir Essen. Das klingt logisch. Und genau das ist der Punkt an dem du ansetzen musst, wenn du dich aus dem Binge-Teufelskreis befreien möchtest.
Aber wenn die Ursache von Binge-Eating im Heißhunger liegt, wie entsteht denn dann der Heißhunger?
Um das genauer zu verstehen gebe ich dir einen kleinen Einblick in die Wissenschaft des Gehirns. Keine Angst, es ist nicht schwer zu verstehen, aber essentiell, um aus der Essstörung rauszukommen.

Wie ich schon erwähnt habe ist der Essensdrang eine natürliche Konsequenz des menschlichen Gehirns. Der Drang ist quasi ein Signal vom Gehirn, dass du (Fr)essen musst um zu überleben.

Unser Gehirn besteht aus einem unteren Teil und einem oberen Teil. Ich spreche hier einfach vom Ober- und Unterhirn.

Das Unterhirn ist der älteste Teil, der es durch die Evolution geschafft hat und der dem Gehirn von vielen Tieren ähnelt. Aus diesem Unterhirn werden intensive Signale gesendet, die unser Überlegen sichern. Von dort aus wird also auch das Verlangen nach Essen als Signal gesendet. Ist das Verlangen da fühlt man sich oft sehr hilflos, da das Unterhirn dich davon überzeugen will etwas zu Essen. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass wenn wir etwas immer und immer wieder tun (wie Diäten und Essanfälle), dann formieren wir in unserem Gehirn einen Pfad, eine neuronale Verbindung. Je öfter wir diesen Pfad gehen, desto stärker wird er und es entsteht eine Gewohnheit, die ins Unterbewusstsein wandern kann.

Binge-Eating ist also eine Gewohnheit, was auch erklärt, warum ich selbst in glücklichen Situationen gebinged habe, also einen Essanfall hatte.

Um diese Gewohnheit wieder loszuwerden, ist es wichtig konsequent nicht dem Heißhunger nachzugehen.
Jetzt kommt das Oberhirn mit ins Spiel, denn das Unterhirn braucht das Oberhirn und bestimmte Muskeln, wie die der Arme und Beine, bewegen zu können.

Das Oberhirn ist der jüngere Teil des Gehirns und ermöglicht dir Selbstkontrolle, denn du hast in der Hand ob du die Muskeln der Beine aktivierst und zum Kühlschrank läufst. Das heißt, die Signale die das Unterhirn aussendet können nur umgesetzt werden, wenn das Oberhirn darauf reagiert. Das heißt, DU hast die Kontrolle über den Heißhunger und die Essanfälle, in dem du dem Signal nicht nachgehst, bis der Heißhunger nachlässt. Wenn du das konsequent durchziehst, wird die Gewohnheit weggehen, wie auch ein Pfad der nicht mehr begangen wird, langsam zu wächst.

Und jetzt nochmal: „YOU`VE GOT THE POWER“!

Ich hoffe du fühlst dich mit dem Wissen über dein Gehirn und die Kontrolle bestärkt. Es liegt nicht an dir, dass du es bis jetzt noch nicht aus der Essstörung geschafft hast. Sei stark und keep going. In den nächsten Artikeln geht es darum, wie du dich dazu motivierst, dem Verlangen NICHT nachzugehen und ich gebe dir Tipps, wie du einen Essanfall verhindern kannst.

Wichtig: Es gibt natürlich auch noch andere Ursachen für Binge-Eating, die ich in Zukunft noch erwähnen werde.

Alles Liebe,  Lilith

Und hier noch mal das Wichtigste:

Selbsthilfezettel 1

 

 

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